Heimat- und Geschichtsverein Neu-Anspach e.V.
Heimat- und Geschichtsverein           Neu-Anspach e.V.

Erinnerung wachhalten

Von Corina Appel

 

Neu-Anspach.

Mit einer neuen Art von Veranstaltung will der Heimat- und Geschichtsverein das jüngere Publikum erreichen. Am Freitag, 12. September, soll es eine Art Talkshow im großen Saal des Bürgerhauses geben. Talk-Gäste: Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Moderation: die beiden Vorstandsmitglieder Heinz Henrici und Daniela Born-Schulze.

Und was erwartet den Besucher? Lebhafte Schilderungen der Karwoche 1945. Es war ganz kurz vor Kriegsende, als sich die Situation in Neu-Anspach zuspitzte. Heinz Henrici, der mit den Zeitzeugen, die damals etwa 10 bis 15 Jahre alt waren, gesprochen hat, gab während eines Pressegesprächs einen kurzen Einblick. Hausen habe es am schlimmsten getroffen, als die Amerikaner einmarschierten. Nicht, dass die Eroberer um sich geschossen hätten. Es seien die deutschen Fahnenjunker gewesen, die – vom Endsieg beseelt – lieber gestorben wären und andere mit in den Tod gerissen hätten als aufzugeben.

Als der damalige Anspacher Bürgermeister Rudolf Henrici die weiße Fahne gehisst habe, sei er dafür fast umgebracht worden, berichtet der Vereinsvorsitzende. Die Fahnenjunker hätten ihn an die Wand stellen wollen. Sie hätten auch dafür gesorgt, dass es aufseiten der Amerikaner viele Tote gab. Im Ortsteil Hausen sei es besonders schlimm gewesen, gibt Henrici die Erinnerungen von Zeitzeugen wieder. Nur durch die Vermittlungen des Hausener Bürgermeisters Löw hätte vermieden werden können, dass Hausen komplett in Schutt und Asche gelegt wurde.

Aber auch um die menschliche Seite soll es gehen. Heinz Henrici, damals selbst ein kleiner Junge, empfand beispielsweise die Amerikaner nicht als böse, sondern als freundlich. Auch hätten sie immer Schokolade für ihn gehabt. Nicht nur tragische, auch lustige Dinge seien während dieser Zeit passiert. Und vielleicht seien es gerade die menschlichen Dinge, von Zeitzeugen erzählt, die auch die jüngeren Leute interessierten, hofft er.

Auch vom Anspacher Bürgermeister Rudolf Henrici wird nach dem Gespräch vielleicht ein anderes Bild in der Bevölkerung entstehen. Denn der Vereinsvorsitzende hat in Gesprächen herausgefunden, dass Henrici, damals in die NSDAP gezwungen, in dieser Zeit auch human gewirkt habe. So habe er dafür gesorgt, dass Familien, die auf der Liste zum Abtransport ins KZ standen, versteckt und mit Lebensmitteln versorgt wurden. Nach dem Krieg habe er sehr unter Anfeindungen gelitten und nur noch zehn Jahre gelebt. Durch Briefe sei schließlich herausgefunden worden, was der ehemalige Bürgermeister trotz seiner Mitgliedschaft in der NSDAP für die Bevölkerung getan hat.

Der Vorsitzende hofft, dass viele Bürger zur Talkshow am 12. September kommen. „Aufgabe unseres Vereins ist, dass die Erinnerung an unsere Geschichte aufrechterhalten wird“, erklärt Henrici.

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© Heinz Henrici HGV-Neu-Anspach e.V.